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13.03.2018 | Kategorie: News Presse - Zement

dornburger baustoffthemen 2018

In diesem Jahr folgten insgesamt etwa 200 Kunden, Partner und Interessierte der Einladung zu den „dornburger baustoffthemen“ und fanden sich im Rahmen spannender und informativer Vorträge wieder. dornburger zement führt diese erfolgreiche zweitägige Veranstaltung seit nunmehr 22 Jahren durch.

Der erste Tag stand unter dem Themenschwerpunkt: Beton-Inside

a.    Baubegleitende Zustandsüberwachung von Brücken

Dipl.-Ing. Max Käding vom Ingenieurbüro Marx Krontal aus Hannover thematisierte in seinem Vortrag den Aspekt der baubegleitenden Zustandsüberwachung im Brückenbau.
Die Bauphase im Leben einer Brücke ist, bezogen auf das Schadensrisiko, deutlich kritischer zu bewerten als in der tatsächlichen Nutzungszeit. Dieses Risiko entsteht aus den Bauprozessen bei der Errichtung, Sanierung, Umbau und durch Bautätigkeiten im Umfeld des Bauwerkes. Gerade bei Brücken ist es daher sinnvoll, die herkömmliche Überwachung durch ein spezielles Zustandsmonitoring zu ergänzen. Herr Käding definiert dabei das Monitoring als kontinuierliche Überwachung von Bauwerksreaktionen und der einwirkenden Größen durch ein geeignetes Messsystems.

Anhand von zwei Beispielen wurden die Möglichkeiten des begleitenden Monitorings veranschaulicht. Im ersten Beispiel wurde der Aspekt einer Bestandssicherung im Zuge des Ersatzneubaus der Allerbrücke bei Verden dargestellt. Dort zeigte sich, dass das Monitoring für die Beurteilung der Zustandsentwicklung des bestehenden Bauwerkes bei den verschiedenen Phasen von großer Bedeutung war. Durch die Meldungen von Grenzwertüberschreitungen konnten kritische Zustände rechtzeitig erkannt werden.

Das zweite Beispiel behandelte die Absicherung kritischer Bauzustände bei der Errichtung der Aurachtalbrücke bei Emskrichen. Auch hier zeigte sich, dass mit der messtechnischen Begleitung von Bauabläufen dem bauausführenden Unternehmen, dem Bauherrn bzw. dem Ausführungsplaner ein hilfreiches Werkzeug zur Verfügung steht. Die erfassten Messdaten wurden für die Überprüfung von Annahmen aus der Planung herangezogen.

b.    Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton – eine anspruchsvolle Bauweise neu geregelt

Dipl.-Ing. Steffen Sennhenn, Leiter der Überwachungsstelle der MFPA Weimar informierte in seinem Vortrag über die wesentlichen Änderungen und deren Konsequenzen aus der überarbeiteten DAfStb-Richtlinie für wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton.
Zu Beginn seines Vortrages stellte Herr Sennhenn die wesentlichen Neuerungen der Richtlinie kurz vor. Dazu gehört u.a., dass jetzt auch Dachkonstruktionen geregelt sind, die Darstellung der  Nachweise der Wasserundurchlässigkeit in Abhängigkeit der Nutzungsklasse erfolgen müssen und verschiedene Neuregelungen für WU- Betonelemente.

Zudem regelt die neue Richtlinie klare Entwurfsgrundsätze wie das Vermeiden von Trennrissen oder die klare Festlegung zulässiger Trennrissbreiten. Auch Maßnahmen zur Umsetzung der Grundsätze sind festgehalten. So sollen Bodenplatten, WU-Dächer und Wände beispielsweise fest angeordnete Hydratationsgassen besitzen.  Auch betontechnische Maßnahmen, wie eine vorgeschriebene Kühlung des Frischbetons oder Ausführungsmaßnahmen, wie die Wahl des passenden Betonierzeitpunktes, sind geregelt.

c.    Reaktivität von Betonzusatzstoffen

Herr Dipl.-Ing. Frank Röser von der Wilhelm Röser Söhne GmbH stellte in seinem Vortrag anschaulich ein Modell zum Thema Reaktivität von Betonzusatzstoffen vor.
Motiviert z.B. durch die Fragen, warum gibt es für granulierten Hüttensand keinen Anrechnungsfaktor im Beton, wie für kieselsäurereiche Flugaschen und warum gibt es für puzzolanische Bestandteile zwar weitgefasste normative Einsatzmengen in Zementen, aber keine Anrechenbarkeit im Beton, haben Herrn Röser veranlasst, sich intensiv mit der Reaktivität von Betonzusatzstoffen zu beschäftigen.

Im Rahmen seiner Doktorarbeit erarbeitete er zu dieser Thematik ein versuchsbasiertes Hy-dratationsmodell für die Reaktivität von Betonzusatzstoffen. Dabei untersuchte er die Zusatzstoffe in verschiedenen Dosierungen, bei unterschiedlichen Wasser-Bindemittelwerten und zu verschiedenen Zeitpunkten.

Als Ergebnis seiner Untersuchungen entstand ein versuchsbasiertes Hydratationsmodell, mit dem sich in Abhängigkeit der Zugabemengen verschiedener Zusatzstoffe die Verteilung von eigenschaftsbildenenden Bestandteilen wie CSH-Phasen, Kalziumhydroxid, Schrumpfporen und unhydratisierten Komponenten berechnen lassen. Für die zielgenaue Projektierung alternativer Bindemittel ist dieses Modell eine wesentliche Voraussetzung. Es ist damit möglich die Leistungsfähigkeit nicht nur nach Festigkeit, sondern auch nach anderen anwendungstechnischen Eigenschaften zu bewerten.

d.    Betonzusatzstoffe – Was kommt nach der Flugasche?

Prof. Dr.-Ing. Horst-Michael Ludwig vom Institut für Baustoffkunde der Bauhaus-Universität Weimar gab in seinem Vortrag interessante Einblicke zu möglichen Alternativen zur Flugasche bei den Betonzusatzstoffen.
Steinkohleflugasche ist aktuell im Transportbeton der nach Menge häufigste Zusatzstoff, der zum Einsatz kommt. Im Rahmen der propagierten Energiewende werden durch zurückgehende Kohleverstromung deutlich geringere Mengen an Flugaschen zur Verfügung stehen.. Heute sind etwa 3 Millionen Tonnen Flugasche verfügbar, im Jahr 2030 könnte dieser Wert auf 0,8 Millionen Tonnen sinken. 

Hüttensand, der ebenfalls ein großes Potential als möglicher Betonzusatzstoff hat, wird aktuell  über die entsprechenden Zemensorten dem Beton zugegeben. Eine Langzeitprognose über die Mengenverfügbarkeit von Hüttensand in der aktuellen Größe ist allerdings auch nicht sicher zu treffen. Aus diesem Grund muss nach weiteren Stoffen gesucht werden, die ein hohes Potenzial haben als Betonzusatzstoff genutzt zu werden.  Nach  Prof. Ludwig könnten das calcinierte Tone sein. Tonmineralien haben ein nahezu weltweites großes Vorkommen.

Calcinierte Tone werden technisch hergestellt, indem sie in einem definierten Temperaturbereich getempert werden und dadurch puzzolanische Eigenschaften bekommen. Untersuchungen an Tonen mit hohem Kaolingehalt zeigen, dass Betone, die mit solchem  calzinierten Material identische oder sogar verbesserte Festbetoneigenschaften gegenüber Betonen mit Flugasche aufweisen. 

Besonders die Dauerhaftigkeit von Betonen mit calzinierten Tonen wird als sehr gut bewertet. Noch  sind die Marktpreise für kaolinreiche Tone derzeit immens hoch, da auch andere Industrien, wie die Keramikbranche, diese nutzen. Einen Einsatz im Transportbeton hält Prof. Ludwig daher momentan für nicht wirtschaftlich.  Aktuelle Forschungen konzentrieren sich aus diesem Grund auf die Verwendung von Tonen, die in anderen Industriezweigen eher nicht zur Anwendung kommen und entsprechend günstiger zu bekommen sind. Auch hier gibt es vielversprechende Ergebnisse.

Abendprogramm
Am Abend waren die Gäste zu einem Bauhaus Spaziergang eingeladen. Die studentischen Guides führten an die Stätten, wo zu Zeiten des Staatlichen Bauhauses Walter Gropius, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger und viele andere ihre Ideen gelebt, dort gearbeitet, gelehrt und gelernt haben.

So erfuhren die Besucher viel Historisches und Anekdotisches zu den von Henry van de Velde errichteten Gebäuden, den Wandgestaltungen von Oskar Schlemmer, Joost Schmidt und Herbert Bayer und besichtigten das von Walter Gropius entworfene Direktorenzimmer.

Nach der Führung wurde zum Abendessen ins Hotel Dorint geladen. Im stilvollen  Ambiente  wurden Kontakte geknüpft, gespeist, diskutiert und der spannende Tag harmonisch zum Abschluss gebracht. Das Quartett „Fracksaußen“ entführte mit ihrem A capella Gesang die Gäste auf amüsante Weise in die Musikwelt der Bauhauszeit.

2. Tag „Lernen und Gehirnforschung für Führungskräfte“
Am zweiten Tag der „dornburger baustoffthemen“ standen Themen zu Lernen und Gehirnforschung im Fokus. Dabei wurde auch auf informative Implikationen für Führungskräfte eingegangen.

Herr Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer ist der Ärztliche Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Zu Beginn seines Vortrages gab er interessante Einblicke in die Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Aus neurologischer Sichtweise entstehen durch Lernen neue neurale Verbindungen zwischen den Gehirnzellen. Speziell im Kindesalter lohnt sich die Investition in Bildung, da gerade in der frühen Kindheit diese Verbindungen sehr gut entstehen können. Kulturelle und soziale Aktivitäten unterstützen unsere Gehirnentwicklung. Gerade die aktive Teilnahme am sozialen Leben ist förderlich, da unser Gehirn am besten durch neue Impulse entwickelt werden kann. Aspekte wie Fernsehen, eine übermäßige Online-Zeit oder Stress verschlechtern die Gehirnentwicklung hingegen. Prof. Spitzer führte aus, dass wir umso besser lernen können, je mehr unser Gehirn bereits an Kapazität zur Verfügung hat. So kann eine Person, die bereits fünf Sprachen spricht, sehr leicht eine sechste Sprache erlernen.

Nach den Ausführungen zur Funktionsweise des Gehirns ging Prof. Spitzer auf die Thematik Stress, auch in Bezug zum Thema Führung ein. In einer akuten Notfallsituation können die biochemischen Abläufe im Körper, welche wir im Allgemeinen als Stress bezeichnen, durchaus positiv und überlebenswichtig sein. Wenn dieser Zustand jedoch langfristig anhält, gilt dies als Hauptverursacher für eine Vielzahl an Krankheiten. Stress wird als fehlende Kontrolle über das eigene Leben empfunden. Je mehr soziale Unterstützung ein Mensch erfährt, umso geringer ist sein Stressempfinden. Diese Implikation ist gerade für Führungskräfte ein wichtiger Aspekt. Ein unterstützendes Verhalten des Vorgesetzten hält langfristig die eigenen Mitarbeiter gesund. Konkret ist zum Beispiel die Einbeziehung des Mitarbeiters in Zielsetzungen und Entscheidungen ein wichtiges Mittel um Stress zu vermindern.

Ein wesentlicher Bestandteil von Prof. Spitzers Vortrag bestand in  der gesellschaftskritischen Auseinandersetzung mit unserer Einstellung und unserem Nutzungsverhalten von digitalen Medien. Aus der Perspektive der Gehirnentwicklung wird unsere Hirnleistung durch ständige Präsenz von digitalen Medien in unserem Tun schlechter. Studien zeigen, dass die Erinnerung an Informationen beim direkten Mitschreiben deutlich besser als beim Mittippen ist. Prof. Spitzer stellte weitere Studien vor, die belegen, dass die Fähigkeit zu empathischem Verhalten abnimmt, je mehr Zeit ein Mensch aktiv an Bildschirmen verbringt. 

Insgesamt zeichnete Prof. Spitzer durch zahlreiche Studien ein eindeutiges Bild, dass digitale Medien die Gehirnentwicklung –und Leistungsfähigkeit, gerade im Kindheits- und Jugendalter, hemmen und negative Auswirkungen auf das soziale Verhalten haben

Prof. Spitzer steht dafür, dass für Kinder und Jugendliche der Umgang mit digitalen Medien streng limitiert und aus dem Schulalltag komplett ausgeschlossen werden muss. Diese Ausführungen führten bei den Zuhörern zu einer lebhaften Diskussion. Es gab zahlreiche Fragen und Anmerkungen zu dieser Thematik. 

Informationsmaterial
Die Fachvorträge des 1. Tages können auf Anfrage bereitgestellt werden. Kontaktieren Sie uns dazu:

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